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Krebstherapie

Schilddrüsenkarzinom

Maligne Tumoren der Schilddrüse sind selten. Sie machen kaum 1% _der malignen Tumoren aus. In endemischen Kropfgebieten (Oster–2ich, Schweiz) ist die Inzidenz etwa doppelt so hoch wie in den übrigen :andern. Dort überwiegen auch die undifferenzierten, besonders bös-27tigen Karzinome. Frauen erkranken zweimal so oft wie Männer. Durch die moderne Schilddrüsendiagnostik wird dies Karzinom häufiier und frühzeitiger gefunden. In der BRD beträgt die Sterbeziffer 0,7/ +1000.
Umstritten als ätiologische Faktoren sind Jodmangel, endemische Struma und Thyreoiditis Hashimoto, ebenso ist eine familiäre Häufung nicht bewiesen. Anerkannt als Ursache für eine Tumorentstehung ist dagegen eine frühere Röntgenbestrahlung der Schilddrüse und des Thymus. Eine maligne Entartung tritt um so häufiger auf, je früher in der Jugend die Bestrahlung vorgenommen wurde. Eine Strahlenbehandlung der juvenilen Struma, tuberkulöser Halslymphknoten, der Acne vulgaris und der Thymushyperplasie ist heute nicht mehr vertretbar. Es hat sich zeigen lassen, daß die Häufigkeit maligner Entartung von der Höhe der Strahlendosis abhängig ist. Die Latenzzeit bis zum manifesten Tumor beträgt im Mittel 18—20 Jahre.
Die differenzierten Adenokarzinome gehen von den Thyreozyten aus, sie bleiben deshalb bis zu einem gewissen Grade der endokrinen Steuerung durch die Hypophyse unterworfen. Eine wichtige Ausnahme bilden die medullären Formen, die von den kalzitonin-produzierenden C-Zellen ektodermaler Herkunft aus der Neuralleiste abstammen.

Die Schilddrüse ist von einem ausgedehnten Lymphsystem durchsetzt, daß die Metastasierung innerhalb der Schilddrüse, auch über den Thymus auf die kontralaterale Seite, die Regel ist. Bei histologischen Serienschnittuntersuchungen nach vollständigen Schilddrüsenexstirpationen fanden sich solche Absiedlungen in mehr als 70%, ein Zweitkarzinom im belassenen Schilddrüsenlappen tritt allerdings nur zu 20—30% auf. Das lokale Tumorwachstum folgt der Halsaponeurose und geht nicht selten auch entlang von Ösophagus und Trachea in das vordere obere Mediastinum.
Der Lymphabfluß führt zu den oberen, mittleren und unteren zervikalen Lymphknoten entlang der V. jugularis. Die Lymphbahnen entlang der Trachea bringen ebenfalls Metastasen in das obere Mediastinum. Bekannt ist, dass die papillären Karzinome bevorzugt lymphogen metastasieren, bei den follikulären ist die hämatogene Absiedelung häufiger. Lymphknotenmetastasen werden zu 60% bei papillären, 15% bei follikulären und zu 30% bei gemischten Formen angetroffen. Bei den undifferenzierten Karzinomen finden sich in etwa 50% Lymphknotenmetastasen. Fernmetastasen sind bevorzugt in den Lungen und im Skelett zu finden.
Jede umschriebene Größenzunahme der Schilddrüse muss an einen malignen Tumor denken lassen. Jede knotige Veränderung der Schilddrüse im Kindes- oder Jugendalter ist tumorverdächtig. Die szintigraphische Untersuchung gibt dabei nur Aufschluss über die Speichereigenschaften des Gewebes. Die Gut- oder Bösartigkeit lässt nur die Histologie bzw. Zytologie erkennen. Da ein solitärer kalter Knoten in 3—4% (maximale Angabe 15%) im Laufe der Zeit maligne entartet, aber auch halbwarme Knoten maligne sein können, ist die risikolose, fast schmerzfreie Feinnadelbiopsie bei jedem verdächtigen Befund anzuwenden. Im Zweifelsfall kann bei diesem Tumor beobachtend zugewartet und die Punktion auch mehrfach wiederholt werden. Multiple Speicherungsausfälle sind weniger malignomverdächtig.
Differentialdiagnostisch muss auch immer an eine Thyreoiditis gedacht werden.
Meistens bestehen keinerlei weitere Beschwerden. Symptome wie Heiserkeit, Schmerzen, Atemnot und Gewichtsabnahme treten erst bei fortgeschrittenem Tumor auf.

Sch., anaplastisches
v.a. bei älteren Personen (bevorzugt Frauen) vorkommendes, infiltrierend u. schnell wachsendes Karzinom, dessen Zellen keine strukturelle Differenzierung zeigen; frühe Metastasierung. Die kleinzellige Variante in früheren Einteilungen wird heute eher den malignen Lymphomen zugeordnet.

Sch., follikuläres
Sch. mit hoch- oder niedrigdifferenzierten follikelartigen Strukturen; unter prognostischen Gesichtspunkten wird zwischen minimal invasiven gekapselten Tumoren u. grob invasiven follikulären Karzinomen unterschieden.

Sch., medulläres
Syn.: C-Zellkarzinom
von den Calcitonin-produzierenden, parafollikulären C-Zellen ausgehendes Sch., neuroendokriner Tumor; in ³/4 der Fälle sporadisch, die restlichen familiär gehäuft in Zusammenhang mit einer multiplen endokrinen Neoplasie (MEN Typ II), d.h. zusammen mit Phäochromozytom u. primärem Hyperparathyroidismus. Symptome: Calcitoninerhöhung, Schwellung am Hals, Heiserkeit, Dysphagie, chron. Diarrhö.

Sch., papilläres
Sch. mit papillären Strukturen; solitär oder multipel, oft mit Psammomkörnern; Metastasen v.a. regional. Varianten: Mikrokarzinome, gekapselte Karzinome, diffus sklerosierende Karzinome.

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Kategoriezuordnung: Krebs-Lexikon, Krebsbegriffe: Q | R | S | T · Artikel erstellt am: 09.08.2006
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