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Krebstherapie

Immuntherapie

Die Tatsache, dass maligne Tumoren sich auch spontan zurückbilden können und Metastasen schubweise oder unabhängig voneinander größer und kleiner werden können, legt den Gedanken nahe, dass auch malignes Tumorwachstum durch körpereigene Regulationsvorgänge beeinflusst wird.
Unter den körpereigenen Abwehrsystemen ist das humorale und lymphozytäre Abwehrsystem bisher am besten erforscht. BURNE’ hat die Immunüberwachung (Surveillance) der Körperzellen auf maligne Entartung sogar als die eigentliche Aufgabe des phylogenetisch entstandenen Immunsystems angesehen.
Aus der Transplantationspathologie wissen wir, dass zelluläre Immunreaktionen durch bestimmte Lymphozyten (K = Killer-Zellen) als fremd erkanntes Gewebe abgrenzen und zum Absterben bringen. Auch menschliche Tumoren können Antigencharakter haben und es lassen sich Antikörper gegen Tumorzellen nachweisen. Dennoch haben alle bisherigen Bemühungen. mit den Kenntnissen und Mitteln der spezifischen Immuntherapie eine Krebsbehandlung aufzubauen, bei menschlichen Tumoren überzeugende Erfolge vermissen lassen. Versucht wurde dies mit der passiven humoralen und adoptiven zellulären Immunisierung, mit der Übertragung von Transferfaktor RNS oder durch spezifische aktive Immunisierung mit vitalen oder devitalisierten Tumorzellen.
Virusinduzierte Tumoren bei Tieren (z. B. Hühnerleukämie) können durch aktive Impfungen verhindert werden. Ob es auch beim Menschen virusinduzierte Tumorerkrankungen gibt. ist aber noch umstritten. Eine starke zelluläre Immunreaktion (z. B. Tuberkulin, Pilzantigene oder Dinitrochlorbenzol (DNCB) ist mit einer günstigeren Prognose der Tumorerkrankung verknüpft. Therapeutisch hat so die unspezifische Immunstimulation. die eine zelluläre Immunreaktion verstärken kann, in der Tumorbehandlung ein großes Interesse gewonnen und auch schon einzelne Erfolge aufzuweisen.
Eine zytostatisch erreichte Vollremission bei der akuten lymphatischen Leukämie (ALL) kann durch die BCG-Stimulation erhalten werden (MATIIE u. Mitarb. 1969). Beim malignen Melanom der Haut sind durch Kombination einer zytostatischen Therapie mit BCG-Applikationen längere Remissionszeiten zu erzielen (GLTTERNANN U. Mitarb. 1974).
Die Anwendung der Immunstimulierung bei der akuten myeloischen Leukämie (AML), bei der Lymphogranulomatose. beim Mammakarzinom, beim Bronchialkarzinom, beim Kolonkarzinom und anderen wird derzeit in zahlreichen kontrollierten Therapiestudien untersucht. Nach vorläufigen Ergebnissen scheinen die darauf gesetzten Erwartungen aber nicht erfüllt zu werden.
Die Immunstimulation wird meist mit BCG-(Bacille-Calmette-Guerin)-Mykobakterien, einem durch Nährbodenkulturen in der Pathogenität abgeschwächten Tuberkulosebakterium, durchgeführt. Es werden dazu Hautskarifizierungen von 5 x 5 cm Fläche mit 10′ BCG-Keimen bestrichen und dies 7-mal alle 4 Tage und dann 6-mal mal alle 7 Tage wiederholt. Auch die direkte Injektion in den Tumorknoten ist bei Melanomen wirkungsvoll. Die immunstimulierende Wirkung der käuflichen BCG Stämme scheint jedoch sehr unterschiedlich zu sein.
Als Nebenwirkungen sind Fieber, ulzerierende lokale Reaktionen, hämatogene Tuberkulosen und granulomatöse Hepatitiden beschrieben (SPARKS U. Mitarb. 1973). Eine prophylaktische INH-Medikation ist zweckmäßig.
Als Immunstimulans verwendet werden auch Corvnebacterium parvum 66 Allgemeine Tumortherapie und Vakziniavirus. Die Imidazolverbindung Levamisol ist neuerdings auch als Immunstimulans in Gebrauch.
Interferon, ein artspezifisches zelleigenes Protein mit virostatischen Eigenschaften ist ebenfalls tumorwirksam. Der Wirkungsmechanismus von Interferon ist nicht bekannt. Die Gewinnung muss aus menschlichen Granulozyten erfolgen und ist daher sehr kostspielig. Als endogene Interferon-Inducer können menschen-apathogene Viren, Pyran-Copolymere und synthetische Polynukleotide (Pole -I/Poly-Cy) verwendet werden.
Für eine direkte zytotoxische Lymphozytenwirkung darf, auch aufgrund theoretischer Überlegungen, die verbliebene Tumorzellzahl nur gering sein (um 106 Zellen). Es werden aber auch bei wesentlich größeren Zellzahlen Tumorrückbildungen beobachtet. Dies legt nahe, dass wirksame Reaktionsmechanismen auch ganz anderer Art vorhanden sein könnten.
Bei immuntherapeutischen Maßnahmen muss auch mit beschleunigtem Tumorwachstum (Enhancement-Phänomen) gerechnet werden.

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Kategoriezuordnung: Krebs-Lexikon, Krebsbegriffe: I | J | K | L · Artikel erstellt am: 28.06.2006
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