Lungenmetastasen
Die Lunge ist aufgrund ihres Kapillarfilters und offenbar günstiger Wachstumsbedingungen häufiger Manifestationsort hämatogener Metastasen. In der Lunge sind Metastasen röntgenologisch gut nachweisbar. Die Röntgenaufnahme der Lunge in 2 Ebenen gehört deshalb zu den Routinemaßnahmen bei der Tumordiagnose und ihre regelmäßige Wiederholung zur Nachsorge der Tumorkranken.
Das Röntgenbild zeigt einen einzelnen oder vielfache, manchmal auch zusammenfließende Herde ohne Umgebungsreaktion. Die Dichte reicht vom weichen Infiltrat bis zum scharf abgesetzten Rundherd. Die lymphogene Metastasierung, ausgehend meist von karzinomatös befallenen Hiluslymphknoten, ist schwerer zu erkennen. Als Lymphangiosis carcinomatosa zeigt sich röntgenologisch nur eine Vermehrung der Lungenstruktur, selten ein netzig-kleinknotiges Bild.
Nicht selten ist die Lungenmetastase der erste Tumorbefund. Die Suche nach dem Primärtumor kann begrenzter gehalten werden, wenn eine Histologie dieser Metastase vorliegt. Die peribronchiale oder perkutane Lungenbiopsie läßt häufig dieses Material gewinnen. Das Ausmaß der nachfolgenden Primärtumorsuche sollte in Grenzen gehalten wer-den von dem Wissen, daß eine Fernmetastase fast immer die Unheilbarkeit der Tumorerkrankung anzeigt.
Der Weg der Tumorsuche kann verkürzt werden, wenn man weiß, in welcher Häufigkeit Organtumoren durch Lungenmetastasen manifestiert sind. Die Reihenfolge ist: Mamma, Ovar, Niere, Schilddrüse, Prostata, Gastrointestinaltrakt, Bronchus, Hoden sowie Knochen- und Weichteilsarkome.
Die Entfernung des Primärtumors bringt bisweilen beim Hypernephrom eine spontane Rückbildung von Lungenmetastasen. Die Chemotherapie sensibler Tumoren (z. B. Mamma, Hoden, Prostata) hat auch bei Lungenmetastasen meist guten Erfolg. Solitäre Metastasen können in kleinem Feld bestrahlt oder operativ entfernt werden. Eine Metastasenoperation ist aber nur angebracht, wenn der Primärtumor radikal entfernt wurde und eine geringe Wachstumstendenz zu erwarten ist. Dies kann angenommen werden, wenn die Metastase 6 Monate oder später nach Erstbehandlung auftritt oder längere Zeit in der Größe unverändert bleibt und wenn keine weiteren Metastasen zu finden sind.
Kategoriezuordnung: Krebs-Lexikon, Krebsbegriffe: I | J | K | L · Artikel erstellt am: 28.06.2006




