Medikamente knackfrisch
Eine Studie zeigt: Es gäbe 100.000 Krebsfälle weniger, wenn die Deutschen mehr Obst und Gemüse verzehrten
Grünzeug kann Tumoren verhindern: Vor sechs Jahren berichtete der stern von neuen Forschungen auf diesem Gebiet (Nr. 18/1994: Gemüse gegen Krebs").
Jetzt legen deutsche Wissenschaftler eine erste Bilanz vor. Rund 100000 Krebsfälle pro Jahr ließen sich hierzulande vermeiden, wenn statt Schnitzel mit Soße und Pommes mehr Gemüse und Obst auf die Teller käme.
Am deutlichsten ist der Zusammenhang bei Magen- und Dickdarmkrebs. 66 bis 75 Prozent aller bösartigen Tumoren an diesen Organen führen die Mediziner vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam (DIfE,) auf falsche Ernährung zurück. Aber auch bei Leber (33-66 Prozent), Lunge (20-33) und Niere (25-33) hängt die Erkrankung davon ab, was man futtert. Sogar die Brustkrebsfälle gingen um ein Drittel zurück, wenn Frauen mehr Salat, Karotten oder Brokkoli verzehren würden.
Dass dies keine Übertreibungen ökologischer Eiferer sind, lässt sich auch historisch belegen:
Zu Wirtschaftswunderzeiten, als fleischreiche, fette Kost Statussymbol war, nahmen die Fälle von Dickdarmkrebs zu; seit zehn Jahren nehmen sie als Folge einer bewußteren Ernährung wieder ab. Die Zahl der Magenkrebserkrankungen hat sich seit 1950 beinahe halbiert.
Warum Obst und Gemüse vor Krebs schützen, ist noch nicht restlos geklärt. Die Verdauung vegetarischer Nahrungsmittel setzt in Magen und Darm ein ganzes
Bündel chemischer Kettenreaktionen in Gang. Zellschädigende Sauerstoffatome werden gebunden, die Bildung von Enzymen wird gefördert und die Zellteilung beeinflusst. Lange Zeit schien es so, als tue sich dabei der Brokkoli besonders hervor. "Heute wissen wir: Einen Gemüse - Superstar gibt es nicht", so Heiner Boeing, Mitautor der neuen DIfE - Broschüre "Krebs Prävention durch Ernährung".
Anti-Star ist in jedem Fall Fleisch. Je fettreicher, salziger und schärfer gebraten, desto schädlicher ist es. Auch Alkohol kommt im D1fE - Bericht schlecht weg. Einmal wegen seines giftigen Abbauproduktes Acetaldehyd, zum anderen, weil durch ihn weniger vor Krebs schützende Substanzen aufgenommen werden. Dafür gibt es einen Freispruch für die üblichen chemischen Zusatzstoffe und Rückstände in heutigen Lebensmitteln. Bei ihren Studien stießen die Wissenschaftler auf keinen Beweis, dass diese einen bedeutsamen Einfluss auf das Krebsgeschehen in Deutschland haben".
UMSTELLEN muss sich, wer konsequent krebsvorbeugend essen will. Täglich fünf Portionen (insgesamt 400 Gramm) Gemüse und Obst und zusätzlich sieben Portionen (600 Gramm) ,Getreideprodukte, Hülsenfrüchte und Kartoffeln" sollten es dann schon sein. Wenn überhaupt Fleisch, dann höchstens eine Portion (80 Gramm) Fisch, Geflügel oder Wild" und, möglichst gar nichts von Schwein, Rind oder Hammel. Das Schlupfloch, Bratwurst mit Pommes - und - Mayo Sünden durch Vitaminpillen auszugleichen, verstopft Heiner Boeing: Unsere Befunde lassen sich bisher nur Gemüse und Obst insgesamt zuschreiben. Nahrungsergänzungsmittel können wir nicht empfehlen."
Kategoriezuordnung: Ernährung bei Krebs · Artikel erstellt am: 25.04.2006




