Immunologie
Die Immunantwort auf das Krebsgeschehen.
RES Cell ist ein intramuskulär zu injizierendes Kombinationspräparat zur Aktivierung mesenchymaler Funktionen und somit zur Stärkung der körpereigenen Abwehr.
Zusammensetzung
Eine Original-Packung RES Cell besteht aus drei Ampullen:
RES Cell - Amp.I
100 mg lyophilisiertes fetales Mesenchym von Schafsfeten aus dem letzten Viertel der Gestation.
RES Cell - Amp.II
10 000 USP-E Heparin und 4ml 10°/oiges salzfreies Polysaccharid Dextran.
Amp. III
7,5 ml isotonische Suspensionslösung (modifizierte Pannett-Compton-Lösung) zur Rehydratierung und Aufschwemmung des fetalen Mesenchyms.
Indikationen
Mangelnde Infektresistenz; torpide Wundheilung; Ulcus cruris; Dekubital und Röntgen-Ulcus. Als Zusatz-Therapie in der Krebsbehandlung, zur Aktivierung der körpereigenen Tumorabwehr und zur Stimulierung des erschöpften Immun-Apparates.
Nebenwirkungen
Injektions-Implantationen von RES Cell werden gut vertragen. Bei schweren Fällen von generalisiert metastasiertem Krebs kann es zu einer Abbaukrise kommen, d. h. zu einem stärkeren Zerfall von Krebszellen, deren Toxine frei werden. Dieser Vorgang ist vergleichbar der Herxheimer’schen Reaktion. Man gibt in solchen Fällen ein Corticosteroid-Präparat in mittlerer Dosierung und macht eventuell eine Tropfinfusion eines 10%igen salzfreien Dextrans.
Kontraindikationen
Die Therapie mit RES Cell ist kontraindiziert in der akuten Phase aller entzündlichen und infektiösen Erkrankungen sowie bei allen Formen haemorrhagischer Syndrome.
Anwendungsweise
Der Inhalt der RES Cell Ampulle I (gefrier-getrocknetes fetales Mesenchym) wird mit der beigegebenen isotonischen Suspensionslösung aufgeschwemmt. Die Rehydratierung des lyophilisierten Mesenchyms benötigt 3 - 4 Minuten. Leichtes Schütteln fördert diesen Vorgang. Die Zellsuspension wird dann in eine Injektionsspritze von 20 ml aufgezogen. Danach wird der Inhalt der RES Cell Ampulle II in dieselbe Spritze durch Aufziehen hinzugefügt. Der Gesamtinhalt wird durch erneutes Schütteln gut durchmischt und dann mit einer Kanüle von ca. 1,2 mm Außendurchmesser dem Patienten in den äußeren oberen Quadranten der Glutealregion intramuskulär injiziert. Zur Förderung einer schnellen und vollständigen Resorption der durch Injektion implantierten Zellsuspension soll der Patient nach der Einspritzung möglichst 24 Stunden Bettruhe einhalten und sich an den folgenden 2 Tagen körperlich schonen. Im übrigen sind die gleichen Vorsichtsmaßnahmen wie bei der Serum-Therapie zu beachten: der Patient ist zu befragen, ob er vorher Serum bekommen hat und gegebenenfalls von welcher Tierart. (Das Mesenchym im RES Cell stammt vom Schaf.) Es ist zu klären, ob eine allergische Reaktionsbereitschaft vorliegt. Dazu muss in der Anamnese nach Milchschorf, Ekzemen, Asthma, Heufieber, Migräne u. a. geforscht werden. Patienten mit einer Disposition zu exzessiven allergischen Reaktionen (allergische Diathese) sollen nicht mit RES Cell behandelt werden.
Dosierung
Der therapeutische Effekt wird im allgemeinen mit der Injektion des Inhaltes einer Original-Packung RES Cell erreicht. Eine Wiederholung kann nach einem Zeitintervall von 4 bis 5 Monaten erfolgen. Ist jedoch die Abwehrlage des Patienten sehr erschöpft (z. B. bei Krebspatienten*), so kann man die Injektionen in Abständen von 2 bis 4 Wochen wiederholen, um dann allmählich mit zunehmender Erholung der Abwehr auf Intervalle von 4 bis 5 Monaten überzugehen.
Der Mesenchymaktivator RES Cell ist eine Entwicklung zur Stimulierung körpereigener Abwehrkräfte bei chronischen konsumierenden Erkrankungen und bei malignem Wachstum. Die Existenz einer körpereigenen Abwehr auch gegen bösartige Geschwülste steht heute außer Zweifel und wird von vielen namhaften Krebsforschern (K. H. BAUER, DOMAGK, H. HOEPKE, A. LANDSBERGER, H. LETTRE, D. SCHMÄHL U. a.) bestätigt. Sie erkennen das R.E.S. als Abwehrgewebe an und sehen in der weiteren Erforschung dieses Systems den Schlüssel zur erfolgreichen Bekämpfung chronischer Infektionskrankheiten und des Krebses. Bei der kausalen Genese bösartiger Geschwülste unterscheiden wir zwischen äußeren und inneren Ursachen. Eine Fülle geschwulsterregender äußerer Faktoren, wie chemische Substanzen, physikalische Kräfte oder auch Traumen, sind bekannt. Weit schwieriger ist der Einfluss innerer Faktoren auf die Geschwulstentstehung zu definieren. Äußere wie innere Ursachen verweisen aber insofern aufeinander, als „bei gleicher Exposition einer äußeren Noxe gegenüber, nur ein bestimmter Prozentsatz an Krebs erkrankt” (DICK, 1964). Diese Beobachtung wird durch zahlreiche Tierversuche bestätigt. So berichten HERBUT, TSALTAS und KRAEMER (1961) über ein tumorwachstumshemmendes Prinzip (tumor inhibitory principle: TIP) gegenüber transplantablen Geschwülsten bei Säugetieren, besonders bei Meerschweinchen. Damit ist gesagt, dass eine Geschwulstentstehung von einer Reihe innerer Faktoren abhängig ist (GRAFFM und BIELKA, 1959). Der Begriff der Krebsdisposition wird weiterhin verdeutlicht durch den Begriff der Präneoplasie. Es ist bekannt, dass nicht jede Mastopathia cystica zu einem Mammakarzinom führt, wie nicht jede Struma nodosa sich zu einer Struma maligna umwandelt.
Auf dem Boden einer Präneoplasie kann sich ein Krebs entwickeln, aber nicht notwendigerweise. In diesem Zusammenhang sei auch an den noch ungeklärten Vorgang der Spontanheilung bösartiger Tumoren erinnert. Hierzu HERBUT et al. (1961): „Für gewöhnlich schreitet ein Krebs bei Mensch und Tier progredient fort und führt schließlich zum Tode des Wirts. Gelegentlich kommt der Prozess von selbst zum Stillstand und bildet sich vollständig zurück. 1956 veröffentlichten EVERSON und C0LE eine Zusammenstellung von über 600 derartigen Fällen. Davon waren 47 so belegt, dass an der ,Selbstheilung` nicht zu zweifeln ist."
Das Kombinationspräparat RES Cell enthält lyophilisiertes fetales Mesenchym-Gewebe, Heparin und ein Polysaccharid. Es vermag die körpereigene Abwehr zu aktivieren, wie im Tierversuch und in klinischen Versuchen nachgewiesen wurde. Das fetale Mesenchym ist reich an pluripotenten Zellen wie Fibrocyten, Histiocyten, Plasmazellen, Gewebsmastzellen, Lymphocyten usw. Die Untersuchungen KMENTS (1961—1963) haben bewiesen, dass durch Implantation von fet. Mesenchym eine Revitalisierung erreicht werden kann. Die Versuche von HOEPKE (1965—1967) und LANDSBERGER (1962—1971) mit fet. Mesenchym, vor allem in Kombination mit Heparin und Polysaccharid, haben die Tumorwirksamkeit gezeigt. „Durch eine Behandlung mit Zellen wurden die Abwehrorgane des Organismus aktiviert. Die vom fet. Mesenchym gebildeten Zellen schädigen oder vernichten selektiv Krebszellen in jedem Stadium. Kleine Lymphocyten vernichten Krebs (KIDD - und TOOLAN, 1950) durch proteolytische Fermente. Sie sind ein Schutz gegen karzinogene Auswirkungen, sind Wächter über die immunologische Homöostase des Organismus” (Hitzig, 1965). Plasmazellen vernichten Krebszellen durch die in ihren Vakuolen enthaltenen Stoffe (H0EPKE, 1967). Den Gewebsmastzellen haben in diesem Zusammenhang eine Reihe von Autoren ihre Aufmerksamkeit gewidmet. So wurde die wachstumshemmende Funktion der Gewebsmastzellen bei bösartigen Tumoren von FROMME (1907), LENNERT (1967), LANDSBERGER (1967) u. a. beschrieben.
Diese Wirkung der Gewebsmastzellen beruht offenbar auf den in ihnen enthaltenen sauren Mucopolysacchariden. In Tierversuchen (Benzpyren-Sarkom) konnte LANDSBERGER (1965) histologisch eine totale Tumordegeneration durch degranulierte Gewebsmastzellen beobachten. Das Heparin, das zu den sauren Mucopolysacchariden gehört, besitzt — wie FISCHER bereits 1930 in vitro feststellen konnte — eine wachstumshemmende Funktion bei bösartigen Zellen. HOLMGREN und BALASZ beschrieben die gleiche Wirkung des Heparins auf die Zellen des Methylcholanthren-Tumors in vitro.
LANDSBERGER und Schüler (1962—1967) haben dann das Heparin und die Heparinoide durch eine Reihe von Tierversuchen in die Tumortherapie eingeführt und ihre Wirksamkeit durch Farbstoffversuche und durch Kombination mit Cytostatica und mit fet. Mesenchym nachgewiesen. Heparin kombiniert mit f et. Mesenchym besitzt die Fähigkeit, die Bildung von Gewebsmastzellen zu provozieren und damit eine wesentliche zelluläre Abwehrkomponente des Körpers zu verstärken.
RES Cell enthält außerdem ein Polysaccharid, das - wie ORFANOS und STÜTTGEN (1963) sowie LANDSBERGER (1966) zeigten - die Granulaemission der Gewebsmastzellen auslöst. Da das Heparin in den Granula der Gewebsmastzellen enthalten ist, ist die Granulaemission der jugendlichen Gewebsmastzellen notwendig, weil - wie histologische Untersuchungen von LANDSBERGER gezeigt haben - eine Tumorwirkung von diesem Prozess abhängig ist.
RES Cell hat eine Wirkung auf die Tumorzellen durch Stimulierung der körpereigenen Abwehr. Es kann mit jeder direkten Therapie (Operation, Bestrahlung, Chemotherapie) kombiniert werden. Neuere Tierversuche haben ergeben, dass mit RES Cell sogar eine Tumorprophylaxe möglich ist. So berichtete HOEPKE (1967) von Versuchen - die gemeinsam mit LANDSBERGER durchgeführt worden sind - dass das Erkrankungsalter bei Ratten, die mit dem Karzinogen Benzpyren injiziert worden sind, gegenüber den Kontroll-Tieren wesent¬lich hinausgeschoben werden kann. Weitere, noch nicht abgeschlossene Untersuchungen untermauern diese Befunde.
Auszüge aus der Publikation von Prof. Dr. med. W. ZABEL
Der Autor geht bei seinen klinischen Versuchen von den Beobachtungen aus, die NIEHANS nach Zelltherapie bei Krebspatienten gemacht hat. Wenn auch der NIEHANs’schen Empirie zunächst die wissenschaftliche Untermauerung fehlte, so kann man aus seinen Beobachtungen doch den Schluss ziehen, dass durch die Injektions-Implantation gefriergetrockneter Schafszellen ein immunologisches Geschehen ausgelöst werde, das gegen die Krebsentstehung wirksam ist. Die tierexperimentellen Untersuchungen von HOEPKE und LANDSBERGER haben dann ergeben, dass vor allem das fetale Mesenchym eine zelluläre Abwehr gegen den Krebs auslösen kann.
ZABEL hat bei Patienten im fortgeschrittenen Krebs-Stadium 466 mal das RES Cell eingesetzt und kam dabei zu folgenden Beobachtungen: „Wir gaben RES Cell zunächst alle 14 Tage, dann alle Monate, später alle Vierteljahre, und erlebten nie eine Schockreaktion.
Es waren fast alles ein- oder mehrfach rückfällige Karzinome und die Beobachtungen waren folgende:
Ein einziges Mal wurde eine Rötung am Oberschenkel, aber erst 5 Tage nach der Einspritzung beobachtet. Diese Rötung machte keine wesentlichen Beschwerden und ging nach kurzer Zeit wieder zurück. Dies war eine Patientin mit deutlicher Beherdung der Zähne und Tonsillen.
Selbstverständlich wurden die oft gefürchteten Blutungen, die man bei anderen Heparin-Präparaten zu sehen bekommt, erwartet, aber niemals auf Gaben von Liquemin gesehen. Interessant waren die Laboratoriumsuntersuchungen, bei denen natürlich berücksichtigt werden muss, dass immer das ganze Register der zusätzlichen Therapie angewendet wurde. Immerhin fielen noch häufigere Besserungen der Weltmannschen und Bolenschen Reaktionen auf, dann immer ein Anstieg der Monozyten, eine Besserung des Kupferspiegels und eine Normalisierung der Elektrophorese. Es trat immer eine Besserung des Allgemeinbefindens ein, zum Teil konnten Rückgänge von Drüsenmetastasen beobachtet werden. Besonders eindrucksvoll war die Behandlung einer aussichtslosen Patientin. Der Primärtumor ging von der Mamma aus. Diese Patientin wurde 12 Jahre beobachtet, und konnte immer wieder über neue Rückfälle hinweggebracht werden. Bei dem zuletzt von beobachteten Zustand konnte bei dieser Kranken nach Einsatz der RES Cell Therapie eine nochmalige, erstaunliche und schnelle Verbesserung des Zustandsbildes erreichen. Neu aufgetretene Hautmetastasen zeigten einen schnellen Rückgang. Plötzlich trat, ausgewiesen durch Zungen- und Facialissymptome eine Erscheinung auf, die auf einen Tumor bezogen werden musste, der an der Austrittsstelle des Hypoglossus anzunehmen war. Diese Metastase verschwand auf zwei RES Cell -Gaben.
Außerdem war vor einem Jahr schon eine im Auge befindliche Metastase vom Augenarzt diagnostiziert worden, die auf Bestrahlung kaum einen Rückgang zeigte, so dass der Visus praktisch erloschen war. Nach Einsetzen der RES Cell -Therapie kontrollierte der Augenarzt einen Rückgang des Tumors im Auge, das Gesichtsfeld wurde teilweise wieder hergestellt, der Visus, der nur noch ein Lichtschimmer war, ging auf 0,2 herauf. Bei einer anderen aussichtslosen und wegen schwerster Tumoren an der Wirbelsäule bettlägerigen Patientin, die wegen der Gefahr einer Fraktur der Wirbelsäule nicht mehr zum Röntgen geschickt werden konnte, war es möglich, sie fast 8 Monate ohne die gefürchteten Frakturen in einem erträglichen Zustand zu halten.
Wieder eine andere Patientin, die über Jahre hinaus immer wieder über neue Metastasen hinweggebracht werden konnte (der Ausgang des Leidens war ein Brust-Karzinom), kam zuletzt mit einem bedrohlichen Befall der Pleura und einer völligen Verschattung der einen Lungenhälfte in die Therapie. Außerdem hatte sie eine Metastase im Schambeinast, die aber mit Röntgenbestrahlung zum Verschwinden gebracht werden konnte. Nach der zusätzlichen Gabe von RES Cell zur bisherigen durchgeführten Therapie wurde die bettlägerige Patientin wieder beweglich. Es mussten immer weniger häufig Pleurapunktionen durchgeführt werden. Die Patientin ist jetzt fast nach einem Jahr in einem befriedigenden Allgemeinzustand und die Pleurapunktionen sind nicht mehr notwendig. Sie bekommt möglichst monatlich durch den Hausarzt ihre Therapie mit RES Cell oder den oben beschriebenen Ersatz für RES Cell. Solange Pleurapunktionen gemacht werden mussten, haben wir die Hälfte der Ampullen, wie üblich, in den Gluteus gespritzt, die andere Hälfte in die Pleura. Soweit man nach der Versuchszeit mit dem Präparat RES Cell heute eine Übersicht gewinnen kann, müssen wir die Wirkung des Präparates als einwandfrei positiv bezeichnen."
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*Nach dem HALSTED-Prinzip ist mit immunbiologischen Abwehrreaktionen bei Krebs-kranken nicht zu rechnen. Das HALSTED-Prinzip besagt, dass derartige Abwehrreak¬tionen um so geringer sind, je größer der Bedarf des Organismus für das Transplantat ist.
Kategoriezuordnung: Allgemein · Artikel erstellt am: 08.05.2007




