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Wer früher in jungen Jahren an Darmkrebs erkrankte, galt als Ausnahme. Nun zeigen US-amerikanische Studien, dass immer mehr junge Erwachsene von der Krankheit betroffen sind. Eine Erklärung könnte Übergewicht im Jugendalter sein. Noch in den 1970er Jahren galten Darmkrebserkrankungen vor dem 50. Lebensjahr als Ausnahmefall. Das hat sich geändert: US-amerikanische Studien zeigen, dass immer mehr junge Erwachsene von der Krankheit betroffen sind. Auch das Rektumkarzinom tritt immer häufiger bei Menschen zwischen 30 und 50 Jahren auf. Ein Grund dafür könnte die Zunahme von stark übergewichtigen Jugendlichen sein. Darmkrebsrisiko in 40 Jahren verdoppelt Eine amerikanische Studie, die im Februar 2017 veröffentlicht wurde, zeigte: Wer im Jahr 1990 geboren wurde, hat ein doppelt so hohes Risiko, an Darmkrebs zu erkranken wie Menschen, die um das Jahr 1950 zur Welt kamen. Das Risiko, an einem Rektumkarzinom zu erkranken, ist für die 1990 Geborenen sogar viermal so hoch. Aktuell sind in den USA etwa 3 von 10 Menschen, bei denen ein Rektumkarzinom diagnostiziert wird, jünger als 55 Jahre. Steigende Inzidenz bei Menschen unter 50 seit 1986 Die Studie erfasste die Kolonkarzinom-Inzidenz zwischen 1974 und 2013 und nutzte Daten von 490.305 Erwachsenen mit Kolonkarzinom aus der SEER-Datenbank (Surveillance, Epidemiology and End Results). Vor den frühen 1980er Jahren nahm die Inzidenz für Menschen unter 50 Jahren ab – für Menschen über 50 jedoch zu. Ab dem Jahr 1986 verzeichnete das Studienteam eine Trendwende: Von diesem Zeitpunkt an bis zum Ende des Beobachtungszeitraums im Jahr 2013 sank zwar die Inzidenz für Kolonkarzinome bei Personen, die älter als 55 waren. Bei den 20 bis 29-Jährigen stieg sie jedoch um 2,4 % pro Jahr, bei den 30 bis 39-Jährigen um 1 % pro Jahr. Welches Thema vermisst du in den DocCheck News? Noch dramatischer stellte sich die Situation für die jüngeren Erwachsenen beim Rektumkarzinom dar: Hier zeichnete sich eine Zunahme der Krebsfälle für junge Erwachsene bereits zu Beginn des Beobachtungszeitraums (ab 1974) ab. So stieg die Inzidenz pro Jahr bei den 20 bis 29-Jährigen um 3,2 %. Aufklärungskampagnen für Ärzte und Patienten gefordert Die logische Konsequenz für die Studienautoren lautet: „Wir brauchen Aufklärungskampagnen für Ärzte und für die Bevölkerung, die darauf hinweisen, dass Darmkrebs auch für jüngere Erwachsene ein Thema ist“, so Studienleiterin Rebecca Siegel von der American Cancer Society. Frühe Diagnosen seien gerade bei jungen Menschen ausschlaggebend für eine erfolgreiche Therapie. Um dem Trend der frühen Erkrankungen entgegenzusteuern, schlägt Siegel eine flächendeckende Aufklärung vor, die die Wichtigkeit einer gesunden Ernährungsweise und eines aktiven Lebensstils betont. Außerdem sollte das Mindestalter für Krebsvorsorgeuntersuchungen überdacht werden. Neben Tabakrauch gelten Übergewicht und eine ballaststoffarme Ernährung als Hauptrisikofaktoren für die Entstehung von Darmkrebs. Israelische Soldatenrekrutierung liefert wertvolle Gesundheitsdaten Eine Studie aus Israel bestätigt, dass Fettleibigkeit im Jugendalter einer der Hauptrisikofaktoren für das Auftreten von Darmkrebs vor dem 50. Geburtstag sein könnte. In Israel besteht für alle jungen Männer und Frauen Wehrpflicht. Zwischen 16 und 19 Jahren, meistens mit 17 Jahren, werden im Zuge der Musterung unter anderem Körpergröße und Gewicht erfasst. Wissenschaftler der Universität Tel Aviv haben nun den Body-Mass-Index von 1.087.358 Männern und 707.212 Frauen ermittelt, die in den Jahren 1967 und 2002 gemustert wurden. Die Zahlen glichen sie mit späteren Einträgen im Krebsregister des Landes ab, dort werden auch alle Darmkrebserkrankungen in Isreal erfasst. Im Beobachtungszeitraum von median 23 Jahren erhielten 1.977 Männer und 990 Frauen die Diagnose Darmkrebs. Überdurchschnittlich viele der Betroffenen waren zum Zeitpunkt der Musterung übergewichtig oder gar fettleibig gewesen. Für übergewichtige oder adipöse Jugendliche ergab sich so ein um 50 % erhöhtes Risiko, unter 50 Jahren an einem Kolonkarzinom zu erkranken. Beim Rektumkarzinom waren die Zahlen noch erschreckender: Adipöse männliche Teenager wiesen ein um etwa 70 % erhöhtes Risiko auf, daran zu erkranken, fettleibige Mädchen sogar ein um 100 % erhöhtes Risiko. Fettleibigkeit könnte ein Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Darmkrebs sein. In den dunkelgrün markierten Staaten ist bereits etwa jede 3. Frau adipös. Fettleibigkeit könnte ein Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Darmkrebs sein. In den dunkelgrün markierten Staaten ist bereits etwa jede 3. Frau adipös. In den dunkelgrün markierten Staaten ist bereits etwa jeder 3. Mann adipös. In den dunkelgrün markierten Staaten ist bereits etwa jeder 3. Mann adipös. Die israelische Studie weist jedoch ein paar Schwachpunkte auf: Zum einen kann sie nicht klären, welche Faktoren (wie etwa Bewegungsmangel, Stoffwechselstörungen oder Ernährungsparameter), die bei den Jugendlichen zu Übergewicht oder Fettleibigkeit geführt hatten, für die Entstehung der Krebserkrankungen verantwortlich sind. Zum anderen waren die Studienteilnehmer zum Ende des Beobachtungszeitraumes erst durchschnittlich 49 Jahre alt und hatten den Altersgipfel für Darmkrebs noch nicht erreicht. Die Datenlage könnte sich also im Laufe der nächsten Jahre noch verändern und die beobachteten Assoziationen könnten sich somit als nicht mehr schlüssig erweisen. Auch familiäre Vorbelastungen wurden in der Studie nicht erfasst. Muss Deutschland umdenken? Laut Angaben des Robert Koch-Institutes erkrankten Frauen in Deutschland im Jahr 2010 im Mittel mit 75 Jahren an Darmkrebs, Männer mit 71 Jahren. Mehr als die Hälfte der Betroffenen erhielt die Diagnose nach dem 70., und nur etwa 10 % vor dem 55. Lebensjahr. Ob sich der Trend zu einer frühen Darmkrebserkrankung und die Assoziation zu Adipositas und Übergewicht im Jugendalter auch in Deutschland zeigen wird, bleibt abzuwarten. Laut Angaben der Welt-Gesundheitsorganisation (WHO) waren hierzulande im Jahr 2014 bereits 21,9 % der erwachsenen Bevölkerung adipös – Tendenz steigend. Im Moment tragen die gesetzlichen Versicherungen die Kosten einer Koloskopie als Darmkrebsvorsorge ab dem 56. Lebensjahr. Ist der Befund unauffällig, ist eine Nachfolgeuntersuchung auf Kosten der Kassen frühestens 10 Jahre danach möglich. Zwischen dem 50. Und dem 55. Lebensjahr bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen einen fäkalen Okkultblut-Test pro Jahr. Ob diese Altersgrenzen angesichts der veränderten Erkrankungsstatistiken noch sinnvoll sind, sollte hinterfragt werden. Quellen: Colorectal cancer incidence patterns in the United States, 1974-2013; Rebecca L. Siegel et al.; AJ Natl Cancer Inst, doi: 10.1093/jnci/djw322; 2017 Adolescent body mass index and risk of colon and rectal cancer in a cohort of 1.79 million Israeli men and women: A population-based study. Zohar Levi et al.; Journal of the National Cancer Institute, doi: 10.1002/cncr.30819; 2017